Villach: Camping an der Gail schlägt hohe Wellen

Runder Tisch wegen illegalem Campen und Mountainbiken im Naturpark Dobratsch. Europaschutzgebiet wurde auf 8200 Hektar vergrößert.

Der Dobratsch zeigt sich dieser Tage unumstritten von seiner schönsten Seite. Tausende Naturliebhaber nützen den goldenen Herbst für Wandertouren zum Gipfel. Der Berg bildet das Zentrum des Europaschutzgebietes, das sich von Nötsch über Arnoldstein nach Villach erstreckt und jetzt um 1000 Hektar erweitert wird. Damit liegt die Fläche des Naturpark Dobratsch jetzt bei 8200 Hektar. Neu dazu gekommen sind die Teile der Europaschutzgebiete Schütt-Graschelitzen und Villacher Alpe.

Größer wurde nicht nur die Fläche des Naherholungsraumes, sondern auch die Belagerung durch Menschen. Illegales Campieren und Mountainbiken werden immer mehr zur Herausforderung für Anrainer, die Bergwacht und Naturliebhaber. „Wildes Campieren ist in der Schütt Gang und Gebe. Es ist aber nicht mehr so, wie es vor Jahren war, dass man sich trifft, badet und wieder heimgeht. Immer mehr Jugendliche kommen mit Alkohol und Zelten. Sie nützen den Naturraum an der Gail um Parties zu feiern“, sagt Naturparkmanager Robert Heuberger. Die Folge der sommerlichen Spaßgelage: Der Naturraum bleibt verwüstet zurück. Dosen und Pappteller verschmutzen die Umwelt und Anrainer beklagen sich über das Gegröle.

107 legale Campingplätze

In Kärnten gibt es 107 legale Campingplätze, das Bundesland hat, verglichen mit den anderen, die meisten legalen Plätze. „Das Campen außerhalb der Plätze ist verboten. Einzige Ausnahme ist, wenn übermüdete Camper parken, um die Fahrtauglichkeit wieder herzustellen. Das sollte aber keine Nacht dauern und ist dann auch nicht verbunden mit Liegestuhl und Schirm aufstellen“, sagt Markus Holzer vom Österreichischen Camping Club (ÖCC).

Wird ein wilder Camper erwischt, kann das teuer werden. Die Strafen liegen je nach Bundesland zwischen 200 und 14.000 Euro. In Kärnten werden von der Bergwacht mehreren hundert Euro kassiert, die Strafe erhöht sich bei Wiederholungstat.

Problemfeld Schütt

Wie viele Anzeigen es in der Schütt heuer gegeben hat, steht nicht fest. Das Gebiet zählt aber zu den Problemfeldern und ist der Polizei bekannt. Laut Stadtpolizeikommandant Erich Londer gab es heuer aber keine Einsätze. Die Naturparkverwaltung will sich in den nächsten Tagen und Grundstücksbesitzern zu einem Runden Tisch treffen, um Lösungen zu erarbeiten.

Nicht weniger problematisch und deutlich gefährlicher sind die waghalsigen illegalen Mountainbiketouren vom Dobratsch bergab. „Gefahren wird quasi überall. Sogar den sehr steilen Kranzwandsteig hinunter. Jeder der die Strecke kennt, weiß, wie gefährlich das ist“, sagt Heuberger.

Im Naturpark gibt es keine einzige offizielle Mountainbikestrecke. Erlaubt ist das Fahren nur zwischen Heiligengeist und Hundsmarhof, die Strecke ist aber nicht durchgängig befahrbar. „Wir haben mehrfach versucht, mit den Grundstücksbesitzern eine Einigung zu erzielen, weil eine Legalisierung der koordinierte und sichere Weg wäre. Leider waren die Gespräche bislang vergebens“, sagt Kärntens Radbeauftragter Paco Wrolich.

In Villach wurden jüngst am Oswaldiberg und beim Faaker See Strecken legalisiert und mit der Area One am Kumitzberg ein Treffpunkt geschaffen. „Eine Vision der Zukunft wäre ein Bikerzentrum mit der Alpenarena als Ausgangspunkt für diverse Trails. So wäre das illegale Fahren einzuschränken“, ist Wrolich überzeugt. Seitens des Naturparks legt man vorerst verstärkt Augenmerkt auf Online-Tourempfehlungen in Foren. „Wir ersuchen die User, ihre Einträge wieder zu löschen“, sagt Heuberger.