Reisemobile (wie) von gestern – Retro-Camping ist in!

Im Trend: „Cramping“ statt „Glamping“

Moderne Campingmobile können heutzutage rollende Luxusvillen sein, mit Dachterrasse, Whirlpool, Cocktailbar und integrierter Garage für Motorrad oder Kleinwagen. Kostenpunkt: gerne mal eine Million Euro oder mehr. Trendforscher sprechen in solchen Fällen von „Glamping“, also einer Mischung von Glamour und Camping. Es gibt dazu auch den krassen Gegentrend: „Cramping“ – das heißt frei übersetzt so viel wie „sich einpferchen“. Dabei machen sich „Cramper“ mit ihren bescheidenen Ansprüchen an Komfort und Geräumigkeit im Urlaub nicht bloß aus Kostengründen gerne frei von unnötigem Ballast. Sie lieben es, mit möglichst einfachen Mitteln unterwegs zu sein. Zum Beispiel in einem alten VW-Bulli.

Solche Mini-Wohnmobil-Oldtimer haben nicht nur Kultstatus, sondern auch manchen praktischen Vorteil gegenüber neuen, größeren Modellen, sagt unser Studiogast Christian Steiger, zweiter Chefredakteur der Zeitschrift „Classic Cars“.

Weniger Stauraum – mehr Wendigkeit

„Es kann schon wahnsinnig viel Auto sein, wenn Sie mit so einem modernen integrierten Wohnmobil verreisen, mit Sitzgruppe für sechs Personen, mit Backofen, mit wahnsinnig viel Stauraum.“ Immerhin, so Steiger, fahre man dann „so sechs bis sieben Meter Auto durch historische Altstädte und über Landstraßen, und es findet dann eine Grenze, wenn Sie zum Beispiel am Gardasee mal in die Berge fahren wollen – da sind sie mit so einem alten Bulli schon ganz gut dabei.“ Für jüngere Leute, meint der Oldtimer-Experte, sei so ein Fahrzeug vielleicht „ein Stück alltagstaugliche Nostalgie“, für weniger junge Leute könne es eine schöne Jugenderinnerung und interessante Geldanlage sein. So ein Auto habe definitiv keinen Wertverlust, werde im Wert wahrscheinlich eher noch steigen, es könne mit einem (steuergünstigen) H-Kennzeichen betrieben und mit einer (beitragsgünstigen) Oldtimerversicherung gefahren werden. Außerdem verbraucht es nicht allzu viel Sprit – bei zurückhaltender Fahrweise acht bis neun Liter auf 100 Kilometer.

Was kostet ein schöner alter Bulli?

Alte Bullis sind gerade sehr begehrt. Was muss man bezahlen für ein gut erhaltenes Exemplar, zum Beispiel aus den 70ern? Christian Steiger: „Es beginnt bei ungefähr 20.000 Euro. Topexemplare im Erstlack, mit der originalen Innenausstattung und ganz wenig Kilometern, kosten auch schon mal 40.000 oder 50.000 Euro. Aber ehrlich, das sind dann eher Museumsstücke – mir wäre so etwas zu schade zum Campen.“ Wenn man so ein altes Schätzchen tatsächlich richtig nutzen möchte, rostet es einem dann nicht sehr schnell buchstäblich unter dem Hintern weg? „Die rosten natürlich dann, wenn man sie im Winter durch Streusalz bewegt“, so der Fachmann. Rost sei aber kein wirkliches Problem, wenn man so ein Fahrzeug ausschließlich „im Sommerurlaub im Streichelmodus spazieren fährt“ und ansonsten möglichst überdacht parkt.