Camping-Saison startet nicht nur in Tiefensee ohne Camper

Auf den ersten Blick wirkt alles normal. Die Wohnmobile stehen gut sichtbar aufgereiht auf dem Gelände, und auch auf dem Parkplatz warten einige Autos. Aber der Schein trügt. Denn auf dem riesigen Areal von „Country Camping Tiefensee Voß“ befinden sich lediglich die Mitarbeiter des Campingplatzes und zwei Dauercamper. „Die beiden dürfen hier bleiben, weil sie ihren Erstwohnsitz hier gemeldet haben. Niemand sonst darf hier rauf“, sagt Inhaber Felix Voß. Eigentlich beleben 260 Dauercamper den Platz.

Für die Campingplätze kommt die Krise zum schlechtesten Zeitpunkt. „Wir haben mit rund 45 000 Euro Einnahmen im April gerechnet. Stattdessen befinden sich meine Angestellten in Kurzarbeit.“ Die 14 Mitarbeiter sind jetzt zu unterschiedlichen Stundensätzen eingestellt. Die Gastronomie ist auf null Stunden heruntergefahren, die Techniker auf 80 Prozent. „Eigentlich müsste ich sie Vollzeit beschäftigen. Genug Arbeit ist ja da, aber ich kann sie dann nicht bezahlen“, erklärt Betreiber Voß.

Kurzarbeit keine optimale Lösung

Das Dilemma ist, dass Kurzarbeit für diese Branche keine optimale Lösung darstellt, berichtet Voß. Die Bewirtschaftung, Reparaturen, Baumarbeiten und vieles mehr fallen auch ohne Gäste an. Es fehlten allerdings die Einnahmen auf der anderen Seite. „Der Autobauer verkauft sein Auto halt ein paar Monate später. Das Geld ist nicht weg, er muss nur warten. Wenn ich keine Einnahmen habe, dann sind sie weg. Die Leute campen ja später nicht doppelt so lange.“

Es sei derzeit viel Büroarbeit zu erledigen. Themen wie Kurzarbeit und Antragstellung haben bisher keine Rolle im betrieblichen Ablauf gespielt. Voß hat 15 000 Euro Soforthilfe beantragt und hofft, das Geld auch so schnell wie möglich bewilligt zu bekommen. Allerdings haben die Ämter drei Monate Zeit für die Bearbeitung und sind derzeit allerorts überlastet. Voss: „Ich kann nur hoffen, dass es in den kommenden vier Wochen klappt. Ansonsten muss ich schauen, wie ich die Leute bezahle.“

Die Löhne schlagen mit derzeit 20 000 Euro im Monat zu Buche. Hinzu kommen Kredite, Strom und Wasser. In den kommenden drei Monaten rechnet er mit rund 70 000 Euro, die er irgendwie aufbringen muss. Voß hat zusätzlich einen Kredit in sechsstelliger Höhe bei seiner Bank beantragt, muss aber auch hier noch auf die Bewilligung warten.

Trübe Aussichten für Campingplätze wegen Corona

Für die kommenden Wochen erwartet Voß keine Besserung der Lage: „Ich sehe derzeit kaum Chancen dafür. Aber gut, in der Kürze der Zeit musste jetzt alles irgendwie geregelt werden. Ich habe dafür ja auch Verständnis.“

Verständnis zeigen auch die Mitarbeiter des Campingplatzes. „Ich bin begeistert, wie solidarisch die Kollegen sind. Alle hängen sich rein und bleiben optimistisch. Das ist verdammt wichtig“, zeigt sich der Tiefenseer beeindruckt.

Vor ähnlichen Problemen steht Burkhard Geldner, Inhaber des Platzes „Ferienparadies am Werbellinsee“. Er betreibt die Anlage nebenberuflich. Sein kleines Gelände bietet Platz für zwölf Dauercamper und acht Bungalows. „Die Camper sind durch Verträge gebunden, Einnahmen bleiben. Bei mir hakt es eher an Tagestouristen“, berichtet Geldner. Ein bis zwei Monate könne er das durchhalten, auch da er keine Angestellten für den Platz bezahlen muss. Ob es danach weitergeht, hängt von der Wirtschaftlichkeit seinem Hauptgewerbe ab.

Geldner hat wie Voß weiterlaufende Betriebskosten. Allerdings fallen diese durch die Größe der Anlage deutlich geringer aus. Trotzdem schaue er genau, was weiter passiert. „Erstmal gelten alle Bestimmungen bis zum 19. April, aber das Problem wird ja bis dahin nicht verschwunden sein“, blickt Geldner eher pessimistisch in die nahe Zukunft.

Gecampt wird normalerweise auch am Üdersee. Kathrin Krause betreibt dort den „Ferienpark Üdersee“. 200 Dauercamperplätze, 100 für Kurzcamper und acht Bungalows warten dort auf Übernachtungsgäste. Auch hier sorgen die laufenden Kosten für Zukunftsängste. „Im April haben wir eigentlich mit Einnahmen von 15 000 bis 20 000 Euro gerechnet.“, erzählt Kathrin Krause. Derzeit beschäftigt sie eine Angestellte. Weitere Saison-Arbeitskräfte wären jetzt eingestellt worden. Auch die müssten nun abwarten.

„Das liegt auf Eis. Wir müssen schauen, wie die Sache weitergeht. Wir hängen zurzeit in der Luft“, sagt Krause ratlos. „Eine Öffnung nach dem 19. April wäre ideal für uns. Wenn wir aber spätestens im Mai nicht öffnen können, dann war es das, dann sind wir bankrott!“

Camping als Wirtschaftsfaktor

Die Dauercamper zahlen, vertraglich bedingt, weiter ihre Pacht, betont sie. „Aber ob sie ihr Geld zurück verlangen dürfen und ein Anrecht darauf haben, das müssen wir ebenfalls erst sehen. Wir hoffen auf Kulanz“, sagt Kathrin Krause. Sie betreibt den Platz hauptberuflich, ist von der Wirtschaftlichkeit existenziell abhängig. „Wir würden uns mehr Hilfe von den Behörden wünschen. Wir zahlen unsere Gewerbesteuern und sorgen durch die Touristen für Belebung und Kaufkraft. Wenn alle Campingplätze hier schließen müssen, dann wird das auch für die Region dramatische Folgen haben“, sagt die Touristikerin.

Diese Ansicht teilen der Deutsche Reiseverband und der Deutsche Tourismusverband. Die Experten gehen davon aus, dass viele Deutsche ihren Sommerurlaub in diesem Jahr im Inland verbringen werden. Ob die Campingplätze bis dahin durchhalten, hängt jetzt vom weiteren Vorgehen der Politik ab.