Camping am Pazifik – wegen Corona

Wellington/Wittingen – Auch im Paradies gibt es den Lockdown. Das müssen derzeit zwei junge Frauen aus der Stadt Wittingen erfahren, die wegen der Corona-Krise in Neuseeland im wahrsten Sinne des Wortes „gestrandet“ sind – fast 18 000 Kilometer von Zuhause.

Die Vorhoperin Nicole Twardawa (24) und die aus Wittingen stammende Ann-Cathrin Knust (27) erleben diese Zeit der weltweiten Pandemie auf einem Campingplatz bei Omokoroa.

Der Ort auf der neuseeländischen Nordinsel, 540 Kilometer von der Hauptstadt Wellington entfernt, wirbt für sich als „Paradise Peninsula“, die Paradies-Halbinsel.

Twardawa ist seit November in dem Südpazifik-Staat, Knust seit Februar. Neuseeland wurde spät von der Corona-Krise erwischt. „Zu Beginn in Omokoroa haben wir uns Sorgen gemacht, dass wir unerwünscht auf dem Platz sind und eine Gefahr für die Anwohner darstellen“, erzählt Twardawa, zu der das IK einen Kontakt per E-Mail herstellen konnte. „Die Einwohner haben uns dieses auch zunächst spürbar gemacht. Es wurden Fotos von uns gemacht, und wir wurden beschimpft, dass wir in unser Heimatland zurückfliegen sollen.“

Die Polizei bestätigte den beiden dann, dass sie weiterhin in Omokoroa campen dürfen. Inzwischen hat sich die Situation etwas gewandelt, Einheimische bieten Hilfe an und haben den beiden Frauen Lampen, ein großes Zelt und eine Solaranlage geschenkt.

Insgesamt haben sich fünf Deutsche auf dem öffentlichen Campingplatz von Omokoroa zusammengefunden. Der Platz liegt direkt am Meer, neben einem Kiosk gibt es eine öffentliche Toilette, zwei Strandduschen mit kaltem Wasser und eine Trinkwasserquelle.

Die größte Umstellung für die zwei Wittingerinnen („Es geht uns gut“) war der begrenzte Zugang zu Strom und Internet – keine Steckdose, kein W-Lan. Der Handy-Entzug, so berichtet Twardawa, habe sich inzwischen aber „angenehm“ herausgestellt. Die Solarenergie sorgt nun dafür, dass beide zumindest mal auf elektronischem Weg an ihre Familien schreiben können.

Knust und Twardawa haben vorher viel für die Reise gespart. Im Zuge eines „Work&Travel-Programms“ haben sie auch in Neuseeland schon viel gearbeitet – als Tellerwäscher, in der Apfelernte, in Kiwi- und Avocado-Fabriken. Körperlich anspruchsvolle Jobs, mit 9- bis 14-Stunden-Schichten. Von dem Geld können beide nun zehren.

„Es fühlt sich an wie ein Campingausflug am Meer mit Freunden“, sagt Knust – auch wenn sie mit einer anderen Intention gekommen seien: „Wir wollen das Land und die Kultur kennenlernen und Sprachkenntnisse verbessern.“

Vor der Corona-Sperre konnten sie in einem Hostel übernachten, die Option gibt es nun nicht mehr – zu viele Menschen auf zu engem Raum. Die Corona-Regeln, die seit dem 26. März gelten, sind ähnlich wie in Deutschland. Weil beide ein Auto mit Schlafmöglichkeit zur Verfügung haben, bot sich der Campingplatz als Aufenthaltsort an. Ärztliche Versorgung in der Nähe gibt es ebenso wie Hotlines für Virus-Erkrankte.

Der Alltag der fünf Deutschen beginnt nun meist gegen 9 Uhr morgens: „Dann sitzen wir gemütlich bei einem Instantkaffee vom Campingkocher“, berichtet Knust. „Meist folgt darauf ein sportliches Workout, bei dem wir uns alle gegenseitig motivieren und anschließend im Meer schwimmen.“

Raum für Kreativität

Die Zwangspause auf der Paradies-Halbinsel biete zudem viel Raum für Kreativität, erzählt Knust, die sich im Isenhagener Land als Künstlerin einen Namen gemacht hat: „Die beiden Jungs spielen und texten Gitarrensongs und wir zeichnen oder lesen. Abends kochen wir alle zusammen, spielen Gesellschaftsspiele und trinken auch mal ein Bierchen.“

Ausgeflogen werden die Wittingerinnen nicht. Natürlich hätten sie in der unsicheren Situation einen Heimflug in Erwägung gezogen, auch wegen der Sorgen um die Großeltern, die zur Risikogruppe gehören („Grüße an Oma Anneliese und Oma Anna“).

Sie haben sich jedoch, so Twardawa, „dazu entschieden, hier zu bleiben und unsere Reise weiterzuführen, denn es ist für uns viel riskanter, über mehrere Flughäfen nach Hause zu kommen“.