Behörden sagen Wildcampern in Mecklenburg-Vorpommern den Kampf an

Fernab der Zivilisation in einem kleinen Zelt zu übernachten, ist für viele Abenteuer pur. Doch dem steht meist das Gesetz entgegen, Ranger wachen darüber in den Naturparks.

Rostock. „Wenn man nicht ständig hinterher ist, wächst das Problem.“ Klare Worte vom Chef des Rostocker Stadtforstamtes, Jörg Harmuth, in Richtung Wildcamper. „Zur Zeit haben wir das Problem im Griff, weil wir hinterher sind.“ Harmuth ist verantwortlich für den weitgehend unberührten Strandbereich zwischen Markgrafenheide und Graal-Müritz. Bis zum Spülsaum reicht der Bereich Landschaftsschutzgebiet und das heißt, Zelten und offenes Feuer sind verboten. Und das Gesetz sei eindeutig: Eine Strandmuschel oder schon eine aufgespannte Plane gelten als Zelt.

Wer im Bereich der Rostocker Heide beim Wildcampen erwischt wird, läuft Gefahr, dafür 75 Euro zu zahlen. In Harmuths Bereich gibt es zwei reguläre Campingplätze: Wenn zwei Leute statt 150 Euro Strafe zu zahlen lieber dorthin gehen, ist die Pizza auch schon dabei, rechnet er vor. 90 Prozent der Fälle würden gütlich geregelt. Doch der resolute Harmuth scheut sich auch nicht, die Polizei zu rufen oder notfalls vor Gericht zu gehen.

Verwarngelder sind relativ milde

Frei und eng mit der Natur verbunden: So sehen die Träume von Menschen aus, wenn sie vor allem in den Sommermonaten unter freiem Himmel ihr Zelt aufschlagen. Doch diesem Vorhaben sind enge Grenzen gesetzt. Denn in Nationalparks und anderen Schutzgebieten ist wildes Campen strikt verboten. „Vor allem an der Küste finden wir die Camper“, sagt Annette Beil vom Nationalparkamt Vorpommern in Born. 21 Ranger des Amtes seien unterwegs und befugt, ein Verwarngeld von bis zu 55 Euro aussprechen. 2018 registrierten sie 120 Ordnungswidrigkeiten – vor allem im Bereich des Weststrands am Darß.

Gegen das wilde Camping gehe auch die Nationalparkverwaltung restriktiv vor, um mögliche Nachahmer abzuschrecken. Wie Beil sagt, richte besonders das Zelten in den Dünen erhebliche Schäden an. Dies seien sensible Lebensräume. Jeder Schritt zerstöre dort etwas, das nicht so einfach wiederhergestellt werden kann.

Wildcamper richten auch der Müritz schaden an

Im Nationalpark Müritz halten sich die Fälle in Grenzen. Wie der Leiter des Nationalparkamtes, Ulrich Meßner, sagt, würden die Ranger in der Region regelmäßig unrechtmäßig aufgestellte Zelte entdecken. Deren Zahl läge jährlich im niedrigen zweistelligen Bereich. Trotzdem richte das Campen im Schutzgebiet Schäden an, so könne das Zelten in Schutzgebieten Seeadler beim Brüten stören. Die Ertappten würden sehr unterschiedlich reagieren, viele seien einsichtig. Aktuell steige durch wildes Campen besonders die Waldbrandgefahr in der Region, wenn dabei offenes Feuer genutzt wird.

„Wir kennen die bevorzugten Gebiete von Wildcampern“, macht der Chef des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide, Ralf Koch, deutlich. Im Naturpark liegen rund 60 Seen. Wenn die Ranger im Schutzgebiet Camper antreffen, werden diese aufgefordert, die Zelte sofort abzubauen. Die Ranger verweisen dann an Stellen außerhalb des Schutzgebietes, in denen laut Naturschutzgesetz Wanderer eine Nacht übernachten dürfen. „Zur Not muss man dann wirklich die Polizei holen.“ Klar müsse aber jedem sein: „Bei offenem Feuer verstehen wir keinen Spaß.“

Es gibt rund 200 „richtige” Campingplätze in Mecklenburg-Vorpommern

Für die Tourismusbranche stellt wildes Campen kein großes Problem dar, sagte der Vize-Geschäftsführer des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf. Es sei höchstens ein punktuelles Phänomen. Woitendorf empfiehlt aber, einen der rund 200 Campingplätze im Nordosten mit der dazugehörigen Infrastruktur zu nutzen. Viele von ihnen hätten ohnehin auch eine schönere Lage als nicht ausgewiesene Stellplätze.