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Samstag, Oktober 31, 2020

So gelingen die Camping-Ferien in der Schweiz

Camper sind gerade gefragt wie nie.
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Camper sind gerade gefragt wie nie. Womit die Sommerferienpläne vieler Schweizer auch schon bekannt sind: Im Camper durch die Schweiz oder durch Europa. Aber wo darf ich mein Wohnmobil zum Übernachten abstellen? Und was gilts sonst noch zu beachten?

In die Ferien – und trotzdem im eigenen Bett schlafen? Diese Freiheit bietet ein Camper. Gerade diesen Sommer erfreuen sich Wohnmobile wegen der Corona-Krise besonders grosser Beliebtheit. Bietet das rollende Zuhause doch den grösstmöglichen Schutz und die beste Möglichkeit Abstand zu halten. Wir müssen nicht im Flugzeug, mit der Bahn oder im Bus reisen und auch Betten oder Duschen, die am Vortag noch jemand anders genutzt hat, können wir meiden.

Ganz zu schweigen von der Freiheit, die ein Camper verspricht. Wenn wir erschöpft sind, können wir einfach stoppen und am nächsten Morgen weiterfahren – denken manche. Doch hier platzt der Traum von der grossen Freiheit. Denn wild campen ist nur ganz selten erlaubt. Dazu regiert in der Schweiz bei Camping-Vorschriften immer noch der Kantönli-Geist – vielerorts gibts gar von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche Regelungen.

Wo kann ich übernachten?

Wildes campen ist nur im Gebirge über der Baumgrenze erlaubt, wohin man aber mit dem Camper oft nur schwer kommt. Dazu ist es auch auf Privatgrundstücken gestattet, wenn der Besitzer es gestattet. Damit wären wir wieder bei den offiziellen Campingplätzen. Allerdings gibts auch Private, die einen oder zwei Abstellplätze für Camper und Wohnmobile zur Verfügungen stellen. Eine Übersicht gibts auf der Internetseite stellplatz.info.

Ein Blick auf diese Seite lohnt sich. Denn freies Übernachten an öffentlichen Orten wie Raststätten, Parkplätzen, abseits von Strassen oder in freier Natur ist in der Schweiz verboten – und nur in einzelnen Kantonen unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Zum Beispiel erlauben die Kantone Aargau, Bern, Schwyz und Uri das Übernachten auf Parkplätzen und Raststätten. Aber beachten Sie auf jeden Fall die Beschilderung. Auch einige Autobahn-Raststätten erlauben eine Nacht vor Ort zu verbringen.

Darum ist wildcampen verboten

  • Überraschend eintretender Sturm
  • Umstürzende Bäume
  • Sintflutartige Regenfälle
  • Ansteigende Flüsse
  • Murgänge (Erdrutsch im Gebirge mit schnell talwärts fliessendem Strom aus Schlamm und gröberem Gesteinsmaterial)
  • Tierherden oder Wildtiere

Wenn Sie aber in Ihrem Wohnmobil irgendwo unterwegs übernachten wollen, erkundigen Sie sich am besten im Vorfeld bei der jeweiligen Gemeinde, der Touristeninformation oder der Polizei vor Ort. Wenn Sie im Internet suchen, finden Sie die Angaben teilweise unter der Camping-Verordnung, dem Camping-Reglement, der Polizeiverordnung oder dem Polizeigesetz der entsprechenden Gemeinde.

Wichtig: Ein Camper ist kein Auto

Für den Fahrer gilt zu beachten, dass ein Camper andere Fahreigenschaften als ein Personenwagen hat. Sie sind länger, haben einen grösseren Wendekreis, beschleunigen träger und haben vor allem einen höheren Schwerpunkt, wodurch sie schneller zum Kippen neigen.

Manche Camper wiegen mehr als 3,5 Tonnen und dürfen nur mit dem Führerausweis C1 gefahren werden. Wenn Sie einen Wohnwagen haben, brauchen Sie den Anhängerzusatz E fürs Auto (BE) oder kleine Lastwagen (C1E). Dies hat auch einen Einfluss auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen dürfen maximal 100 km/h fahren und mit einem Anhänger beträgt die erlaubt Höchstgeschwindigkeit auf Schweizer Autobahnen 80 km/h.

Gut vorbereitet, sicher ankommen

Auch mit dem Thema Ladungssicherung sind viele Ferien-Autofahrer zu wenig vertraut. In modernen Campern gibts zwar viele clevere Lösungen, um beispielsweise das Geschirr in den eingebauten Schränken vor Schäden zu bewahren, eine Auffrischung des Themas schadet aber nicht. Verstauen Sie schwere Gegenstände in Bodennähe über den Achsen. Leichtes Gepäck wie Kleider gehören in die oberen Schränke. Schauen Sie, dass nichts verrutschen kann, indem Sie z.B. Gummimatten unterlegen.

Checkliste für Camper und Wohnwagen

  • Lichter abschalten
  • Gashähne schliessen und Gas abdrehen
  • Stromstecker herausziehen und Kabel einrollen
  • Alle Wasserbehälter (Frisch- und Abwasser) leeren und verstauen
  • Schubladen, Staufächer und Türen sichern
  • Dachfenster schliessen
  • Schrankinhalt, vor allem Zerbrechliches, sichern
  • Schwere Gegenstände sichern
  • Toilette: Schieber schliessen und Deckel herunterklappen, sichern
  • Kühlschrank bei längeren Fahrten auf Autobatterie umstellen, wenn noch Lebensmittel drin sind
  • Markise einfahren
  • Keile entfernen und verstauen
  • Alle Antennen abtrennen / einklappen
  • Alle Türen und Ladeklappen schliessen und prüfen

Beim einem Anhänger-Wohnwagen zusätzlich beachten

  • Anhänger ankuppeln
  • Rangierantrieb vom Reifen entfernen
  • Unterlage-Platten entfernen und verstauen
  • Wohnwagen-Handbremse lösen
  • PKW-Kabel anschliessen und Lichter und Blinker vom Wohnwagen prüfen
  • Stützen und Deichselrad hochkurbeln
  • Abreissleine korrekt anbringen. In der Schweiz muss die Abreissleine muss am Fahrzeug selbst oder an speziellen Ösen / Laschen eingehängt werden können. Wenn keine Öse vorhanden ist, können Sie eine Stahlstrippe an der Verbindungseinrichtung nachrüsten.

Corona-Sonderregeln

Wegen den strengeren Hygiene-Vorschriften und den Abstandsregeln im Zusammenhang mit dem Coronavirus empfehlen die meisten Campingplätze den Besuchern, falls vorhanden die im Fahrzeug eingebauten Duschen und Toiletten zu benutzen. Das entlastet die Angebote der Campingplätze und verhindert Wartezeiten. Dafür müssen Sie öfters Abwasser entsorgen. Dafür gibts offizielle Entsorgungsstationen. Die meisten Campingplätze haben welche und es empfiehlt sich, diese vor der Abfahrt anzusteuern. Eine Karte mit allen Entsorgungsstationen gibts beim TCS online.

Ganz Corona-frei sind also auch die Camper-Ferien nicht. Die Campingplätze haben lange mit dem Bundesrat verhandelt, um endlich öffnen zu dürfen. Auch sie erhielten die Bewilligung nur mit einem entsprechenden Schutzkonzept. Hier Dinge, die Sie beachten sollten:

  • Stellplatz frühzeitig buchen: Kurzfristiges Buchen wird immer schwieriger, da die Nachfrage auf den Campingplätzen vor allem in diesem Sommer extrem steigen wird. Einige Campingplätze werden ausserdem weniger Stellplätze anbieten können, um die Schutzmassnahmen, bzw. die nötigen Abstände, besser einhalten zu können.
  • Vergewissern Sie sich, dass Sie gesund sind: Verreisen Sie nur, wenn Sie keine Symptome haben und sich wohlfühlen.
  • Check-in: Erkundigen Sie sich vor der Anreise über die neuen Massnahmen auf dem Campingplatz. Wie ist das Check-in organisiert? Gibts eingeschränkte Check-in Zeiten oder muss gar eine Check-in-Zeit gebucht werden?
  • Rezeption: Anwesende Personenzahl wird stark eingeschränkt sein und Abstand halten ist notwendig. Deshalb sollten Sie Auskünfte wenn immer möglich telefonisch oder per Mail einholen.
  • Santitäranlagen: Nutzen Sie vor allem die Dusche und das WC im eigenen Camper. Es verhindert Wartezeiten und hilft den Betreibern die Schutzmassnahmen umzusetzen.
  • Gemeinschaftsbereiche: Es gibt kein Animationsprogramm. Der Zugang zu Aufenthalts- und Spielräumen ist limitiert und wird kontrolliert. Dasselbe gilt für Spielplätze, Badestrände, Liegewiesen oder Sportplätze.

Trotzdem können die Massnahmen von Campingplatz zu Campingplatz variieren. Befolgen Sie deshalb immer die Anweisungen des Betreibers vor Ort.

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