Campen in NRW wieder erlaubt – Nachfrage riesig

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Kalkar. Abstand einhalten, im Waschhaus Maske aufsetzen: Campen ist in NRW wieder möglich. Die Nachfrage ist riesig. Platzbetreiber hoffen, dass auch die Regeln eingehalten werden.

Campen trotz Corona? „Die Nachfrage ist bombastisch“, sagt Geschäftsführer Ludwig Ingenlath vom Campingpark Wisseler See in Kalkar am Niederrhein. Seit Donnerstag kämen jeden Tag rund 100 Buchungsanfragen, die kaum abgearbeitet werden könnten. „Wir gehen davon aus, dass wir am Freitag voll belegt sind“, erzählt der 28-Jährige.

Die 34 Hektar große Ferienanlage, die von einer Tochtergesellschaft der Stadt Kalkar betrieben wird, gehörte am Montag zu den Plätzen in Nordrhein-Westfalen, die wieder für Camping-Touristen mit Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt geöffnet waren. Dauercamper durften dort schon einen Monat eher wieder in ihre Domizile. Der Landesverband NRW der Campingwirtschaft schätzt, dass am Montag von den etwa 320 Campingplätzen in NRW mit touristischen Angeboten rund 90 Prozent wieder geöffnet hatten. NRW war laut Bundesverband der Campingwirtschaft am Montag zusammen mit Niedersachsen das einzige Land, in dem auch touristisches Campen wieder erlaubt wurde.

Klaus-Peter Gelissen und seine Frau aus Dortmund gehörten am Mittag zu den ersten, die die gelockerten Regeln zum Camping-Urlaub nutzten. Zehn Tage wollen sie mit ihrem Wohnwagen auf der Anlage in Kalkar bleiben. Länger nicht, denn: „Ab Himmelfahrt ist alles belegt“, sagt der 65-Jährige. Eigentlich führen sie im Frühjahr immer für drei Monate nach Italien. Da das nicht gehe und auch ein Urlaub in den Niederlanden nicht möglich sei, seien sie nun in Kalkar. „Wir sind das erste Mal am Niederrhein.“

Erst seit vergangenem Mittwoch steht fest, dass Campingplätze in NRW auch wieder touristisch genutzt werden dürfen. „Unter Wahrung der Kontaktbeschränkungen“, schreibt das Land vor. Doch wie können die aussehen in einem Park mit 500 Dauercamper-Plätzen und 250 touristischen Plätzen? „Das Wichtigste ist Rücksicht“, sagt Ingenlath und nennt die Regeln: 1,50 Meter Abstand voneinander und: „In allen Räumen herrscht Maskenpflicht.“ Nur in den Wasch- und Duschkabinen und vor den Waschbecken dürfen die Masken abgelegt werden.

Der Platzchef sieht da keinen Spielraum. „Das sind unsere Verhaltensregeln. Wer sich nicht daran hält, kann gehen.“ Bei einem Rundgang fällt ihm ein Gast auf, der ohne Mundschutz aus der Duschkabine kommt. Ingenlath bittet ihn um seine Platznummer. „Der bekommt jetzt Post von uns.“

Eine Sicherheitsfirma soll die Campingplatzmitarbeiter bei der Kontrolle unterstützen. Auch das Ordnungsamt will stichprobenartig kontrollieren. Da behördliche Vorschriften noch nicht ausformuliert sind, hat er am Montag die geplanten Maßnahmen vor Ort mit dem Ordnungsamt besprochen.

So werden mehrmals am Tag etwa in den sieben Sanitäranlagen alle „Handkontaktflächen“ desinfiziert. Türklinken, Armaturen oder Klobürsten etwa. Wer ein Haus betritt, muss sich die Hände desinfizieren, beim Rausgehen ebenso. Drinnen wird jedes zweite Waschbecken gesperrt. Und bei den Männern jedes zweite Pissoir.

Ingenlath denkt beim Thema Corona-Schutzmaßnahmen nicht nur an die Gäste. „Ich bin auch dafür zuständig, dass bei den Mitarbeitern alles glatt läuft und alle gesund bleiben.“

Einige Plätze warten denn auch noch mit der Öffnung – aus Corona-Sicherheitsgründen. So will etwa der Campingplatz Grav-Insel bei Wesel erst Anfang Juni für touristische Gäste wieder öffnen.

Und warum in Kalkar die frühestmögliche Öffnung? „Wir haben eine lange Durststrecke hinter uns“, sagt Ingenlath. „Irgendwann muss man auch wieder Geld verdienen.“ Zehn Mitarbeiter seien in Kurzarbeit gewesen, zehn Minijobber in dieser Saison bislang nicht wieder eingestellt worden. Andere hätten Überstunden und Urlaubstage abgebaut. „Alle haben an einem Strang gezogen.“

Klaus-Peter Gelissen aus Dortmund hat derweil seinen Wohnwagen positioniert. Das Maskengebot in den Sanitäranlagen sieht er ganz entspannt: „Wir haben einen Premiumplatz mit privatem Sanitär, das nur wir benutzen.“