Alternativer Lebensentwurf – Geld verdienen mit Camping

Jahrelang mit dem Wohnwagen fremde Länder erkunden - klingt für viele wie das Paradies! Nur leisten können sich das nur die wenigsten. Nele Landero aus Donauwörth und ihr Mann Jalil haben einen Weg gefunden, mit dem Reisen ihr Geld zu verdienen.

 
 
 

Arbeiten wo sie möchten und dabei die Welt erkunden – Nele Landero und ihr Mann Jalil aus Donauwörth leben genau so. Sie verdienen ihr Geld mit Camping und Reisen und haben doch immer ein Stück Heimat im Gepäck.

Das Leben von Nele Landero aus Donauwörth und ihrem Mann Jalil passt auf elf Quadratmeter, denn genau so groß ist ihr Wohnwagen. Ein kleiner Gasherd und ein Spülbecken, ein winziges Bad, ein Bett, ein Tisch – mehr brauchen sie nicht. Auf diesem engen Raum verbringen die beiden ihre meiste Zeit, denn sie verdienen ihren Lebensunterhalt damit, um die Welt zu reisen.

Leben im Campingwagen trotz Wohnung

Selbst jetzt im Winter leben Nele und Jalil im Wohnwagen, auch wenn sie gerade eine Zwischenstation in Donauwörth machen. Nele Landero ist hier geboren, ihre Eltern leben immer noch in Donauwörth. Bei diesen hat Nele ein paar Unterlagen hinterlegt, in einer Wohnung lagern sie und ihr Mann größere Gegenstände. Das wichtigste haben sie aber in ihrem Wohnwagen, denn die beiden ziehen das mobile Leben dem in einer Wohnung einfach vor.

Von der Pressesprecherin zur Camping-Bloggerin

So haben die beiden schon über 20 Länder bereist, waren in Albanien, Spanien, Mazedonien oder Norwegen. Dabei sah das Leben der 40-Jährigen vor wenigen Jahren noch ganz anders aus. Als Pressesprecherin arbeitete sie für die Stadt Herten im Ruhrpott.

Ein guter Job, sagt Nele selbst, doch mit ihrer Hochzeitsreise 2013 änderte sich alles. Ein halbes Jahr bereiste sie mit ihrem Mann Jalil dessen Heimat Mexiko – teilweise als Rucksacktouristen, teilweise mit dem Wohnwagen. Als Nele Landero danach wieder in ihr Büro zurückkehrte, war es nicht mehr wie vorher. Besonders als im Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen rauskamen, fühlte sie sich „wie ein Tier im Käfig“, sagt Nele heute.

Stipendium für Webseite mit Camping-Tipps

Also startete sie mit ihrem Mann das Projekt „Camperstyle“ – eine modern gestaltete und informative Internetseite mit Infos für Camper. Damit schufen Nele und Jalil Landero das, was sie selbst bei ihrem ersten Campingurlaub vergeblich gesucht hatten. „Wir haben irgendwann gesagt, sowas muss es doch einfach geben und es muss doch auch möglich sein, sowas schön, bunt und lebendig zu machen – so wie Camping eben ist“, beschreibt Nele ihr Ziel.

Erst arbeiteten die beiden in Teilzeit an ihrem Projekt, später bekamen sie ein Stipendium dafür und Nele Landero hängte ihren Job an den Nagel. Ein Wagnis, denn in den ersten drei Jahren mussten die beiden vor allem Aufbauarbeit betreiben. Jalil kümmerte sich als Videoproduzent um Fotos und Bildmaterial, Nele recherchierte und schrieb als Journalistin die Texte.

15 Autoren reisen für Nele und Jalil durch die Welt

Inzwischen verdienen sie ihr Geld hauptsächlich damit, Campingprodukte für Firmen zu testen und die Ergebnisse online zu stellen. Dafür sind sie auch regelmäßig auf großen Messen unterwegs, um neue Partner kennenzulernen. Mit Aufträgen im Gepäck geht es dann wieder auf Reisen.

Heute ist die Webseite so erfolgreich, dass die beiden 15 freie Autoren und andere Mitarbeiter beschäftigen. Die können laut Nele Landero arbeiten, wo sie wollen. So lebt eine Kollegin schon seit über einem Jahr in ihrem Wohnwagen in Griechenland, eine andere ist gerade auf dem Weg nach Mexiko. Kommuniziert wird meist digital, es gibt einen Plan, in dem steht, wer gerade an welche Projekt arbeitet. Einmal am Tag schalten sich alle per Telefonkonferenz zusammen.

Heimat kommt im Wohnwagen nicht zu kurz

Nele und Jalil Landero genießen es, mit Menschen zu arbeiten, die ebenso unabhängig sein wollen, wie sie. Doch auch wenn sie in der ganzen Welt unterwegs sind, nehmen sie ein Stück Heimat doch immer mit auf Reisen. Für den Südamerikaner Jalil bringt der Duft von Mexikanischem Topfkaffe – einem Gemisch aus Kaffee, Melasse und Zimt – die Heimat in den Wohnwagen. Nele hat ihre schwäbische Heimat in Form einer Spätzlepresse im Gepäck – für selbstgemachte Käsespätzle auch am spanischen Strand.