Opel Combo zum Mini-Camper ausgebaut: Handlich, günstig und gemütlich

Opel Combo zum Mini-Camper ausgebaut

 
 
 

Unabhängig reisen muss kein unbezahlbarer Luxus sein. Linda hat sich einen gebrauchten Opel Combo ausgebaut. Und hat ihn sofort bei einem Kurztrip nach Belgien ausprobiert.

Ein Auto bedeutet für mich schon immer Freiheit. Doch wie könnte man sich unterwegs freier fühlen, als im Kofferraum ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Schlafzimmer zugleich zu haben? So kam mir die Idee zum Ausbau eines Minicampers. Zu meinen Prioritäten zählten der Preis und die Größe. Ich wollte einen preiswerten Camper, mit dem ich problemlos parken und wenden kann. Ich verkaufte also mein vorhandenes Fahrzeug und entschied mich für einen Opel Combo. Auf kleinster Fläche sollte nun innerhalb von drei Wochen ein Campingmobil entstehen.

Campingmöbel für den Opel Combo

Noch vor dem Kauf, schaute ich mir Bilder und Videos von verschiedenen Ausbaumöglichkeiten an, fertigte viele Skizzen an und überzeugte meinen Vater, dieses Projekt mit mir in Angriff zu nehmen. Wir fingen also an, das Auto auszumessen und Material zu kaufen. Als Erstes mussten wir eine Bodenplatte zusägen. Dies machten wir mit Hilfe einer Vliesschablone. Anschließend wurden die Grundrisse der Sitzbank und der Küchenzeile mit Leisten in die Bodenplatte geschraubt. Mit einigen Winkeln und weiteren Leisten bestimmten wir die jeweilige Höhe.

Mein Vater sägte dann die Seitenteile für Sitzbank und Küche zu und verschraubte diese. Am äußeren Ende der Sitzbank befindet sich eine Vorrichtung, wo man einen Wasserkanister verstauen kann. Nun kam es zu dem aufwendigeren Teil: Der Deckel für die Sitzbank sollte in zwei Richtungen klappbar sein, um die Bank einerseits als Stauraum zu nutzen und andererseits die Sitzbank so ausfalten zu können, dass dort zwei Personen zum Schlafen Platz finden.

Mit einigen Scharnieren und etwas Geduld funktionierte dann auch diese Konstruktion. Weil die Liegefläche sonst nur 1,60 Meter lang wäre, kaufte ich aufblasbare Fußstützen, welche perfekt zwischen Sitzbank und Fahrersitz passen, um eine Fläche mit zwei Meter Länge zu erreichen. Bei der Küche sollten unterschiedlich große Schranköffnungen entstehen. Wir überlegten also, welche Utensilien in welchem Schrank Platz finden müssen, und bestimmten auf diese Weise die Maße. Die Arbeitsplatte für die Küche fertigten wir mit Hilfe von Schablonen an, da die Innenverkleidung keine geraden Kanten hat. Für den Gaskocher wurde ein Fach ausgeschnitten, damit er sicher steht. Die Schranktüren bekamen Magneten. So können sie sich während der Fahrt nicht öffnen. Anschließend habe ich sowohl Sitzbank als auch Küchenzeile hellgrau angestrichen.

Ich bestellte Schaumstoff sowie Stoff und überließ den Bezug einer Schneiderin. Die Polsterteile wurden dann mit Klettband rutschsicher an der Sitzbank befestigt. Blickdichte Gardinen mit kleinen Magneten verdunkeln die Fenster. Für Strom sorgt eine zusätzliche Batterie, die am Ende der Küchenzeile noch Platz fand. Zum Schluss verlegten wir Linoleum auf dem Boden. Dieser ist leicht zu reinigen und relativ simpel zuzuschneiden.

Mit einer Freundin ging ich dann noch einmal einkaufen, um Gemütlichkeit in den Minicamper zu bringen. Wir besorgten Decken, Kissen, Lichterketten, Lampen und Dekokisten. Aber auch die üblichen Utensilien wie Klappstühle, -tisch, Campingtoilette, Geschirr und Besteck landeten in unserem Einkaufswagen. Nachdem wir meinen Opel Combo vollständig ausgestattet und eingeräumt hatten, war ich doch erstaunt, wie viel Platz am Ende noch übrig war. Der Camping-Combo ist ein wahres Raumwunder.

Erster Roadtrip nach Belgien

Während des dreiwöchigen Ausbaus machte ich mir schon Gedanken über einen ersten Roadtrip, der nach Belgien führen sollte. Zu viel planen wollte ich aber nicht, denn etwas Abenteuer gehört auch dazu. Nach einem Großeinkauf an Reiseproviant begann die Tour mit dem Minicamper.

In Zandhoven kurz vor Antwerpen fanden wir einen idyllischen Parkplatz für eine Übernachtung direkt am Wasser. Nach dem Frühstück ging es auch schon weiter nach Antwerpen. Hier schauten wir uns die Stadt an, bestellten uns eine Portion der beliebten belgischen Pommes und ließen uns als Erinnerung an die Diamantenstadt noch ein kleines Tattoo stechen. Für den Besuch von Gent buchte ich vorab einen Platz auf dem Camping Blaarmeersen. Dort liehen wir uns Fahrräder aus und waren beeindruckt, wie naturnah die ganze Stadt ist: überall grüne Parkanlagen und wunderschöne Flüsse und Seen. Dann sahen wir uns Gravensteen an, eine der größten Wasserburgen Europas.

In Brügge steuerten wir einen abgelegenen Parkplatz zur Übernachtung an. In der Stadt angekommen, bummelten wir durch sämtliche Geschäfte, kauften das ein oder andere Souvenir und aßen die berühmten Waffeln – wirklich empfehlenswert. Nächste Station war wieder ein Campingplatz, Klein Strand bei Brügge, mit einem schönen Badesee. Nach dem Bummel entlang vieler sehenswerter Gebäude in Brügge und einem erfrischenden belgischen Bier fuhren wir am Nachmittag an die Nordsee. Feiner Sand, Muscheln und viele Strandbars mit tollem Ausblick versüßten uns den Nachmittag am Strand.

Nach meinem ersten Roadtrip kann ich sagen, dass ich mit dem Minicamper rundum zufrieden bin. Es hat alles einwandfrei funktioniert. Durch die Größe des Fahrzeugs konnten wir problemlos Parkplätze finden, und der Platz zum Schlafen war vollkommen ausreichend für zwei Personen. Man sollte aber jeden Abend etwa 20 Minuten einplanen, um die Sitzbank in ein Bett zu verwandeln.

Daten & Fakten

Fahrzeugtyp: Opel Combo (Kombi, zweisitzig), Baujahr 5/2005, Kilometerstand 105.000
Kaufpreis: 2.850 Euro, Reparaturkosten ca. 250 Euro
Ausbaukosten: 810 Euro = Material 315 Euro (Holzplatten, Leisten, Schrauben, Linoleum, Farben, Schaumstoff usw.) + Campingutensilien 290 Euro (Kocher, Toilette, Stühle, Tisch, Geschirr, Notfallutensilien usw.) + Elektrik 115 Euro (Batterie, Powerbank, Lampen) + Deko 90 Euro (Lichterketten, Decken, Kissen, Aufbewahrungsboxen usw.)