Camping im Auto: Raus aus der Komfortzone!

Das Auto als Wohnmobil

 
 
 

Das Auto als Wohnmobil – die Hamburger Firma Vantopia hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht und vermietet zum Camper umgebaute Pkw. Aber wie gut lebt es sich in dem Minimobil? Ein Selbstversuch.

Der erste Kaffee am Morgen wird zur Herausforderung. Ich steige die Leiter hinab aus dem Dachzelt, laufe durch den Regen zum Kofferraum und stelle mich unter die geöffnete Heckklappe. Während ich den Gaskocher aus der Schublade im Heck fingere und den Kaffee aufsetze, tropft es mir permanent in den Nacken. Mit ein paar Keksen und einem Becher italienischem Espresso bewaffnet klettere ich ziemlich durchnässt zurück ins Zelt. War es doch keine gute Idee, mit einem Pkw auf Campingtour zu gehen?

Darüber grüble ich, während der Regen auf das Dachzelt trommelt und ich meinen Kaffee schlürfe. Schon von außen betrachtet fällt das Mini-Wohnmobil „Adventurer“, in dem ich unterwegs bin, auf. Nicht nur wegen der blauen Folierung im Wellenmuster, sondern weil das Basisfahrzeug selbst schon ungewöhnlich ist: ein Citroen C4 Cactus. Eigentlich nicht das, was man normalerweise für ein Campingwochenende wählt.

Die Idee dazu kommt von der Hamburger Campervermietung Vantopia. Das Start-up aus der Hansestadt bietet neben größeren Modellen eben auch einen zwei-Personen-Camper im Pkw-Format an. „Das Auto ist speziell für aktive Camper, die vor allem sehr flexibel sein wollen“, sagt Vantopia-Geschäftsführerin Larissa Peters. „Wir wollten einen minimalistischen Camper bauen, der die Funktionalität eines großen Reisemobils bietet“, sagt Mitgründer Bastian Gembler. Beide waren über zwei Jahre auf Weltreise und dabei in verschiedenen Campern unterwegs. Dort hatten sie auch die Idee für das Start-up.

Bei der Buchung auf der Website sehe ich, dass der Auto-Camper alles haben soll, was man für einen Trip in die Natur braucht: Küche, Herd, Kühlschrank, zwei Schlafplätze, Ablagefächer, Stromversorgung, Campingstühle, einen Tisch und sogar Gesellschaftsspiele. Aber wo soll das in dem 4,16 Meter langen Auto alles verstaut sein?

Die Antwort liegt größtenteils im Kofferraum. Dort lagert das Herzstück des Adventurers: ein hölzerner Küchenblock, in dem alles praktisch und verschachtelt verstaut ist. In einer Schublade gibt es einen herausnehmbaren Campinggaskocher, in einer anderen ist das Küchenbesteck und kleine Küchenutensilien untergebracht. In einem weiteren großzügigen Klappfach findet man Töpfe und Schüsseln.

Camper für Puristen

Den robusten und schön gestalteten Ausbau aus Holz hat die Firma VanMe gebaut, die Campingmodule für verschiedene Pkw-Größen anbietet. Theoretisch könnte man die Campingmodule rückstandslos ausbauen und das Auto dann als normalen Fünfsitzer nutzen.

Für das Frühstück nehme ich die hölzerne Oberfläche des Küchenblocks ab und schiebe sie, um neunzig Grad gedreht, in einen Schlitz darunter. Nun habe ich einen kleinen Tisch, der wie eine Zunge aus dem Kofferraum wächst. Was fehlt, ist ein kleines Spülbecken inklusive Wasserversorgung. Auf beides muss man mangels Platz im Auto verzichten. Immerhin gibt es als Minimallösung aber eine faltbare Abwaschtasche an Bord. Der Adventurer ist, ohne Frage, nur etwas für Camping-Puristen.

Der spartanische Ansatz hat aber auch Vorteile: Statt des vollen Preises für Wohnmobile zahle ich auf dem Campingplatz nur den Preis für einen Pkw-Stellplatz. Strom brauche ich auch nicht, da das Auto keinen Außenanschluss hat. „Wir haben alles so einfach wie möglich gestaltet. Deshalb haben wir auf ein zusätzliches Bordstromnetz verzichtet“, so Peters. Stattdessen versorgt ein faltbares Solarmodul die Kühlbox mit Strom.

Die Kühlbox steht hinter dem Beifahrersitz. Dort haben die Tüftler von VanMe den Sitz ausgebaut und stattdessen ein Gestell für die Kühlbox mit zusätzlichen Staufächern eingebaut. Das degradiert das Auto zwar zum Viersitzer, aber mit mehr Personen ist es in dem Minicamper sowieso zu eng.

Ein Leben aus der Reisetasche

Ich schlage mein Lager auf und hole aus einem Seitenfach neben der Kofferraum-Küche einen Campingtisch und zwei Stühle heraus. Die extrem kompakten, weil faltbaren Möbel haben jeweils das Maß eines zusammengerollten Badehandtuchs. Zum Sitzen und Essen reicht das zwar, allerdings fehlt zeitweise ein stabiler Tisch für den Gaskocher. Hinten im Kofferraum mehr als einen Kaffee zuzubereiten? Eher nicht. Also koche ich das Abendessen zwangsweise auf dem Boden.

Da im Auto selbst kein Platz für ein Bett ist, thront oben auf dem Adventurer ein Dachzelt. Ich werfe meinen Schlafsack hinein und breite auf einer Liegefläche von 2,05 mal 1,30 Metern mein Nachtlager aus. Gemütlich wird’s durch den Ausblick zu allen vier Seiten; ich kann die tosenden Wellen des Meeres beobachten. Am Dachzelt lässt sich zusätzlich noch eine Plane befestigen, die zumindest vor Nieselregen oder Sonne schützt. Bei einem richtigen Unwetter muss man Schutz im Zelt suchen.

Mit Dachzelt-Koffer ist der Camper unter zwei Meter hoch und passt damit in jede Tiefgarage. Das Dachbett hat aber noch einen weiteren Vorteil: Man kann darin weiteres Gepäck (oder einen zusätzlichen Esstisch) verstauen. Abends muss man dann allerdings alles wieder von oben nach unten ins Auto räumen.

Denn im Auto gibt es nur einen kleinen, aber dafür ausgeklügelten Stauraum. Legt man die Lehne der hinteren Sitze um, verbirgt sich dahinter – quasi an der Rückwand des Küchenmoduls – ein Fach mit Platz für zwei größere Reisetaschen. Mangels Schränken lege ich die wichtigsten Kleidungsstücke allerdings gestapelt auf die Rückbank – Platznot macht eben erfinderisch.

Bleibt die Frage: Warum sollte man sich das antun? Ein Wochenende im Adventurer zeigt, campen im Pkw ist – gutes Wetter vorausgesetzt – möglich, aber nur etwas für Überzeugungstäter. Alle anderen bekommen bei etlichen Vermietern für überschaubare Aufpreise pro Tag auch ein größeres Fahrzeug, in dem man sitzen, kochen und essen kann, ohne beim kleinsten Regen nass zu werden. Besonders für längere Touren ist das für viele wohl die bessere Wahl.

Der Adventurer ist im wahrsten Sinne des Wortes die Sparvariante: wegen der kompakten Größe auf Campingplätzen und an Tankstellen wegen des relativ niedrigen Verbrauchs. Allerdings sollte man Erfahrung im Umgang mit Stapel- und Lagertechniken haben. Denn ohne ausgeprägte Tetris-Skills sieht der Innenraum nach zwei Tagen aus wie die reinste Messie-Bude.