Camping In Steinkimmen: Den Alltag im Wohnwagen vergessen

Auf drei Achsen unterwegs: Bernd Beate mit „Anka“ vor seinem Wohnmobil. „Camping ist eine Lebenseinstellung“, sagt der 60-Jährige.

 
 
 

Um komfortabel zu campen ist kein High-Tech-Wohnmobil nötig. Liebhaber alter Campingfahrzeuge entspannen am Falkensteinsee in Steinkimmen vom Alltag.

Steinkimmen Manche Dinge muss man gesehen haben, um sie zu glauben. Zum Beispiel den Opel Astra mit drei Achsen, Bett und Bar, den Bernd Beate besitzt. Halb Auto, halb Wohnwagen ist sein 1997er „Car-Camper“. Auf dem Campingplatz am Falkensteinsee in Steinkimmen sitzt der 60-Jährige vor seinem skurrilen Gefährt in der Sonne. „Camping, das ist eine Lebenseinstellung“, sinnierte der Bielefelder und streichelte seine Hündin Anka.

Nette Menschen, skurrile Fahrzeuge und der gemeinsame Wunsch nach Entschleunigung vom Alltag waren am Wochenende die Zutaten des Treffens von Freunden historischer Camper.

120 Fahrzeuge am See

Die 350 Gleichgesinnten in ihren 120 Fahrzeugen zusammengebracht haben die Sandkruger Kathrin Nickel und Jan-Philipp Meder. „Für historische Trecker, Autos oder Lastwagen gibt es viele Interessengemeinschaften, nur für Campingfahrzeuge bislang nicht. Das wollten wir ändern“, sagte Meder. Der große Zuspruch am ersten Treffen dieser Art am Falkensteinsee bestätigte die beiden in ihrer Arbeit. „Ob Wohnwagen, Campingmobil oder historisches Zelt, hier sind alle willkommen“, betonte Katrin Nickel.

Durch ein gemeinsames Reparaturprojekt waren Nickel und Meder im letzten Jahr tief in die Camper-Szene eingetaucht: „Wir hatten uns einen Hymer–Camper von 1990 gekauft, doch der hatte einen großen Wasserschaden“, berichtete sie.

Idee beim Restaurieren

Bei der rund halbjährigen Reparatur und Restaurierung knüpfte das Paar aus Sandkrug viele Kontakte zu anderen Camping-Enthusiasten, verfestigte diese über eine eigene Facebookgruppe zum Thema und veranstaltete daraufhin im Juli 2018 ein erstes Camper-Treffen. „In Krefeld, auf dem Platz eines Bekannten“, waren damals nur zwölf Fahrzeuge dabei“, blickte Meder zurück.

Immer Politur dabei

Am Samstagnachmittag zählte das Paar 120 Fahrzeuge – die bundesweit wohl größte Versammlung historischer Reisemobile und Wohnanhänger. Alles war dabei, „vom Glanzstück, bei dem die Politur mitreist bis zum alten Wagen, der sich noch auf den Rädern hält“, beschrieb Jan-Philipp Meder die breite Patte.

„Die Vorbereitungen liefen Monate. Um alle Gäste unterzubringen, mussten wir extra ein sonst nicht genutztes Gelände des Campingplatzes nutzbar machen“, verriet er. Für ausreichend Elektrizität auf dem Platz sorgte Meder mit einem eigenen Festival-Stromgenerator.

Halbes Auto als Hänger

Teil der großen Camper-Familie waren auch Wolfgang Schindler und seine Frau Sabine . Seine Kenntnisse als Karosserie- und Fahrzeugbaumeister stellte Schindler am Samstag eindrucksvoll unter Beweis: Als Gepäckanhänger dient dem Paar aus Mettmann, die im 1985er „Orion 600“ angereist waren, ein von Schindler halbierter und umgebauter Renault Vier. „Damit sind wir schon durch ganz Deutschland gefahren“, zeigte sich der 57-Jährige stolz.

Zurück am „Car-Camper“ gewährte Bernd Beate einen Einblick in den „Wohntrakt“ des ungewöhnlichen Gefährts. Die Erkenntnis: Um komfortabel zu campen ist kein modernes High-Tech-Wohnmobil nötig. Beates Opel bot sogar Platz für eine gut bestückte „Hausbar“.

Gegenüber nannte die Sandkrugerin Meike Gabriel-Steckel ihr Ziel: „Ich will auf drei Quadratmetern die Ruhe genießen.“ Ihren 1970er DDR-Wohnanhänger „Heimstolz“ nutzt die Partyservice-Inhaberin sonst als Fotobox auf Events.

So verschieden die Camper und ihre Fahrzeuge auch sind, am Ende des Wochenendes waren sich alle einig: Auch 2020 soll es wieder ein Treffen am Falkensteinsee geben.