Berliner Campingplatz-Idylle vor dem Aus

Campingplatz Breitehorn in Spandau

 
 
 

Direkt an der Havel im Ortsteil Gatow kann man auf dem Zeltplatz Breitehorn campen – seit 1953. Doch nun soll Schluss sein. Dem Bezirk ist nach mehr als 50 Jahren aufgefallen, dass der Campingplatz gar nicht hätte errichtet werden dürfen. Von Stefan Oberwalleney

Das Camping-Idyll liegt direkt an der Havel, hier grenzen die Spandauer Ortsteile Gatow und Kladow aneinander. Morgens ist hier nur das Zwitschern der Vögel zu hören, sonst herrscht Stille. Eine Oase der Ruhe. In direkter Nachbarschaft grenzen eine Gartenkolonie und ein Restaurant an das Gelände. Das Miteinander ist unkompliziert und wird beim Berliner Camping Club e.V. seit jeher groß geschrieben.

Nach 50 Jahren fällt auf: Etwas stimmt hier nicht

Seit 1953 existiert der Campingplatz Breitehorn und er könnte wohl noch Generationen weiterer Camper erfreuen, wäre da nicht dieses Malheur im Jahr 2004 passiert: Damals brannte das Platzwarthäuschen mitsamt der Toiletten ab. Im Zuge dessen bemerkte der Bezirk Spandau plötzlich, dass der Campingplatz laut Flächennutzungsplan an dieser Stelle nie hätte errichtet werden dürfen. Das Gebiet ist nämlich als „Parkanlage und Koloniestandort“ ausgewiesen. Dass das dem Bezirk erst nach 50 Jahren aufgefallen ist, darüber schütteln die Campingfreunde auf Breitehorn noch immer den Kopf.

Um dem Campingverein entgegenzukommen, wurde zwischen dem Bezirk und dem damaligen Vorstand 2005 ein Vergleichsvertrag geschlossen. Danach wurde dem Verein für zehn Jahre die weitere Nutzung ermöglicht. Gleichzeitig wollte sich der Bezirk um ein Ausweichquartier kümmern. Das sei aber nie erfolgt, sagen die Camper.

Außerdem sei die Unterzeichnung des Vergleichsvertrags nur unter Druck zustande gekommen. „Hätte der Verein abgelehnt, wäre gleich Schluss gewesen“, sagt Günther Niechziol, ehemaliger Vorstand.

Eine Reihe von angeblichen Verstößen

Festgelegt wurde auch, dass wenn kein Ersatzstandort gefunden wird, nach spätestens 15 Jahren die Nutzung des Geländes endgültig endet. Damit ist diese Saison die letzte. Noch immer hoffen die Camper auf ein Einlenken des Bezirks, denn die Vorwürfe wegen „Verstößen gegen die Landschaftsschutzgebietsverordnung, die Trinkwasserschutzgebietsverordnung, das Parken von Fahrzeugen und die Zugänglichkeit des Uferwanderweges für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge“ können sie nicht nachvollziehen.

Schließlich sei das Gelände für jedermann offen und zugänglich. Es gebe eine zentrale Abwassergrube und geparkt werde auf dem Parkplatz, wo im Übrigen auch die Gäste des Restaurants und der angrenzenden Gartenkolonie ihre Fahrzeuge abstellen.

Richtig enttäuscht ist man von der Haltung des Bezirks Spandau, der laut Campern keinerlei Gesprächsbereitschaft zeige, um doch noch zu einer für beide Parteien tragfähigen Lösung zu kommen. Beim Bezirksamt hieß es dazu, dass man „nach intensiver und interner Erörterung“ keine Möglichkeit für eine weitere Verlängerung der Genehmigung mehr sehe.