Camping-Boom zwischen Harz und Weser


 
 
 

Die Camper sind auf dem Vormarsch. Die Branche boomt in ganz Deutschland, 2018 wurde ein historischer Höchststand verzeichnet. Auch in Südniedersachsen steigen die Übernachtungszahlen seit Jahren.

Göttingen. Die Campingbranche boomt, die größeren Campingplätze in der Region zwischen Weser und Harz stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. In Deutschland habe es noch nie so viele Campingurlauber gegeben, nach fünf Jahren Aufwind sei 2018 ein neuer Rekord erzielt worden, sagt Maximilian Möhrle. Der Geschäftsführer der Reise- und Buchungsplattform Camping.Info berichtet von einer weiteren Steigerung der Übernachtungszahlen um elf Prozent im vergangenen Jahr.

Niedersachsen bundesweit auf drittem Platz

Das Flächenland Niedersachsen hält sich dabei mit einer Steigerung um fast zwölf Prozent auf mehr als 4,9 Millionen Übernachtungen wacker gegen die Toplagen an der Ostsee und den Alpen, belegt im Ranking der Bundesländer den dritten Platz nach Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. Der positive Trend geht auch an Südniedersachsen nicht vorbei. Viele Campingplätze in der Region sind inzwischen ganzjährig geöffnet, das Preisniveau variiert je nach Ausstattung, Lage und Infrastruktur, vom einfachen Zelten bis zum Glamour-Camping in Zirkuswagen ist alles drin.

Holländer zieht es nach Seeburg

„Im vergangenen Jahr ist die Belegung noch einmal um zehn bis 15 Prozent gestiegen“, bestätigt Ralph Liemburg, Betreiber von Comfort-Camping Seeburger See: „Damit ist die Obergrenze erreicht.“ Von den 120 Stellplätzen in Seeburg seien etwa 100 Touristenplätze, der Campingplatz in der Regel zu je 45 Prozent von Deutschen und Niederländern belegt. Wie Liemburg stammt auch Will de Roon, der zum Jahresbeginn den von Wald umgebenen Campingplatz Am Niemetal mit 62 Touristenplätzen übernommen hat, aus Holland. „Wir sind noch nicht voll, es kommt aber langsam in Gang, wir sind mit den Buchungen zufrieden“, bewertet de Roon den neuen Anlauf, den er mit Blockhütten und einer Zeltwiese unternommen hat.

Keine Erweiterungsmöglichkeit in Dransfeld

Nicht weit entfernt von Niemetal ist der Dransfelder Campingplatz Am Hohen Hagen. Der mit je 150 Dauer- und 150 Touristenplätzen sowie zehn Schlafhütten größte Campingplatz im Göttinger Umland wurde 2018 mit dem ADAC Best Camping Award ausgezeichnet. „Wir sind seit Jahren stets ausgebucht, deshalb ist keine Steigerung mehr möglich“, berichtet Bernd Lesser, der den Campingplatz seit 30 Jahren mit seiner auch für den Wellness-Bereich zuständigen Frau Jutta betreibt: „Mehr als voll geht nicht, wir bekommen aber keine Genehmigung für eine Erweiterung im Landschafts- und Naturschutzgebiet.“

86 Prozent der Campinggäste stammen aus Deutschland

Im vergangenen Jahrwurden nach Angaben von Camping.info in Deutschland fast 35 Millionen Campingübernachtungen und damit ein historischer Höchststand verzeichnet. Seit 2010 hätten sich die Zahlen um 41,59 Prozent gesteigert. Diese Entwicklung führt Campingexperte Maximilian Möhrle auch auf das Internet und eine unkomplizierte Planung zurück. Der Anteil der Inländer sei mit 86 Prozent außerordentlich hoch, wichtigste Gästegruppen aus dem Ausland Niederländer, Schweizer, Dänen und Belgier. Campinggäste seien auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Befragungen hätten ergeben, dass jeder Camper täglich etwa 50 Euro ausgibt. Als Hauptgrund für einen Campingurlaub hätten 26 Prozent der Camper örtliche Flexibilität angegeben, 20 Prozent günstigen Urlaub, 17 Prozent zeitliche Flexibilität, 16 Prozent „mein eigenes Bett“ und zehn Prozent „meinen eigenen Platz und Rasen direkt vor der Tür“.

Vom Durchreiseverkehr lebe der im Sommer stets ausgebuchte Campingplatz Northeim Nord, sagt Betreiberin Runa Baumanns, die über 120 Stellplätze verfügt, davon 100 für Touristen. Den ehemaligen Campingplatz Sultmer Berg, der zwei Jahre lang geschlossen war, hat sie vor fünf Jahren übernommen. Die Gästezahlen seien von Jahr zu Jahr gestiegen. Wolfgang Becker, der im Camping-Ferienpark Solling bei Hardegsen 40 Dauerplätze und 40 Plätze für Touristen und Wohnmobile anbietet, berichtet von konstant guten Zahlen. Es gebe aber noch freie Stellplätze, aus Altersgründen mache er keine Werbung mehr. Zu weiteren Anlaufpunkten für Camper in der Region gehören die Campingplätze Oderbrücke an der B27 bei Hattorf, am Blockhaus bei Scharzfeld, Hemeln und Hann. Münden, Nesselröder Warte und Campingclub Reiffenhausen.

Gästezahl in einem Jahrzehnt versechsfacht

Seit Rolf Gröning vor elf Jahren mit dem Harz-Campingplatz Eulenburg an der Söse bei Osterode durchgestartet ist, hat sich die Zahl der Gäste versechsfacht – von 1000 Gästen und 3000 Übernachtungen auf 6000 Gäste und 16 500 Übernachtungen im vergangenen Jahr. Gröning, der viele Stammgäste hat und 70 der 120 Stellplätze für Touristen anbietet, bestätigt den seit einigen Jahren anhaltenden Aufwärtstrend. Seit zwei Jahren stagniere die Zahl der Übernachtungen auf hohem Niveau: „Vor zwei Jahren war es zu nass, im vergangenen Jahr zu heiß. Es wird immer kurzfristiger gebucht – je nach Wetterprognose.“ Nicht nur in Gaststube, Biergarten und Spielplatz hat Gröning investiert. Zum Areal mit Schwimmbad und Heuhotel gehört auch als Industriedenkmal eine alte Weberei, die durch Kamelhaardecken bekannt geworden ist und in der er jetzt ein Bowlingcenter betreibt.

Campingplätze in der Region

Wer sein Zelt in Südniedersachsen aufstellen möchte oder sein Wohnmobil parken, der findet gleich einige Campingplätze mit unterschiedlichen Angeboten. Der größte Platz in der Region in der „Campingplatz am Hohen Hagen“, ausgezeichnet mit dem ADAC-Camping-Award 2018. Hier sind versammelt: 150 Jahresplätze, 150 Ferienareale und 20 Wohnmobilstellplätze. Oldtimer-Wohnwagen könne hier gemietet werden, ein Ferienhaus, drei Mobilhomes und Schlafhütten. Auch das Angebot ist umfangreich. Ein Restaurant gehört zum Platz, ein Schwimmbad, Wellness, Animation, Tennis, Tischtennis und Minigolf. Zwischen 30 und 44 Euro kostet ein Stellplatz für zwei Erwachsene in der Hauptsaison.

„Bergwiese Thüringen“ heißt der Campingplatz in Thalwenden auf einem aufsteigenden Wiesengelände mit Terrassen, auf denen Bäume und Sträucher stehen. Das Besondere: Es gibt keine Rezeption. Wer hier übernachten will, soll sich einen Platz aussuchen, ein Formular ausfüllen und es sich gemütlich machen. „Alles weitere findet sich“, meinen die Platzbetreiber. Ein Zelt mit Biergarten ist für Gastronomie aufgebaut. Ein Familienzelt kostet 5 Euro pro Nacht, ein kleineres 3 Euro. Erwachsene zahlen 4,50 Euro, Jugendliche 3,50 Euro, Kinder bis 14 Jahren 2,50 Euro. Ein Auto schlägt mit 2,50 Euro zu Buche. Wi-Fi gibt es auch. Es kann für 1,50 Euro pro Tag gebucht werden.

Der „Camping-Club Reiffenhausen wirbt mit seiner Lage in einem Tal, umgeben von Wald. Besucher ab 16 Jahren zahlen hier 5 Euro pro Nacht, Kinder bis 15 Jahren 2 Euro. Für einen Stellplatz zahlen Camper 7 Euro pro Nacht.

Der kleine „Campingplatz Nesselröden“ verfügt neben 25 Dauerplätze über zehn weitere für kürzere Aufenthalte. Erwachsene zahlen 2,50 Euro, Kinder bis 14 Jahre 1,50 Euro.

Das „Comfort Camping Seeburger See“ verzeichnet bemerkenswerte lobende Kommentare von zufriedenen Gästen im Internet. Urlauber können ganz nah beim Seeburger See ihr eigenes Zelt aufschlagen. Sie können aber auch einen Zirkuswagen oder ein Safarizelt mieten, beides komplett ausgestattet. Das hat allerdings auch seinen Preis. 585 Euro werden in der Hauptsaison für eine Woche Zelt fällig, für den Zirkuswagen mit WC und Dusche 645 Euro.

Zwischen Harz und Eichsfeld liegen „Landgaststätte und Naturcampingpark Oderbrücke“, wie der Name schon sagt direkt an der Oder. Ein Stellplatz kostet hier einschließlich Fahrzeug 5,20 Euro pro Nacht. Erwachsene zahlen 3,50 Euro, Kinder bis 14 Jahren 2,50 Euro. Zu finden ist der Platz an der B 27 bei Hattorf.

In der Nähe des Flusses Nieme bei Löwenhagen liegt der „Campingplatz am Niemetal“. Für einen Stellplatz inklusive Fahrzeug zahlen zwei Erwachsene 23,50 Euro pro Nacht. Im angegliederten Restaurant können die Urlauber essen.

Wer einen größeren Fluss in seiner Nachbarschaft bevorzugt, der übernachtet auf dem Platz „Wesercamping Hemeln“ direkt an der Weser. Pizza, Nudeln, Schnitzel und Tapas bietet das Restaurant am Platz, wenige Schritte entfernt liegt der Biergarten an der Weserfähre. Für einen Stellplatz müssen Camper 8,50 Euro pro Nacht hinlegen, ohne Kfz nur 5,50 Euro. Ab 14 Jahren zahlen Gäste 5,50 Euro, wer jünger ist 3,50 Euro.

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